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Ein Hai im Karpfenteich
Vorlesegeschichte Grundschule - Charlys Welt 6

Inhalt: Das Leben von Charly ist voller aufregender Ereignisse. Man könnte meinen, in einem Dorf passiere nicht viel, doch das Gegenteil ist der Fall. Charly ist stets beschäftigt, irgendjemanden oder irgendetwas zu retten. Diesmal geht es um Wilson, Charlys treuen Vierbeiner.

Ein besonderes Abenteuer wartet auf ihn. Er soll im Ententeich schwimmen, um ein paar Pfunde zu verlieren. Doch plötzlich taucht eine große Welle auf, und mit ihr erscheint eine bedrohlich wirkende Flosse. Könnte es etwa ein Hai sein? Lies weiter und erfahre mehr...."

Auch hier wird wieder das Thema Natur aufgegriffen und so einiges dazu gelernt.

Die erste Charly-Geschichte findet ihr hier: "Die Kirschendiebe".

Vorlesedauer: 15 Minuten
Altersgruppe: 7 - 10 Jahren (Grundschule)

Viel Spaß bei der Vorlesegeschichte für das Grundschulalter.

Vorlesegeschichte Grundschule

Ein Hai im Entenweiher – Vorlesegeschichte Grundschule

Es kam, wie es kommen musste – Wilson, der Chihuahua, war zu dick, und der Tierarzt hat ihm eine Wassertherapie verordnet. Nicht nur eine Diät, nein, der arme Kerl bekam deutlich weniger Leckerlis.

Traurig vergrub er sich unter seine Decke und seufzte: „Gerade die kleinen Häppchen haben mir doch das Leben verschönert. Wo ich es doch so schwer habe mit Charly. Sieht das denn niemand ein?

Zweimal in der Woche muss ich ins Hundebad mit Laufband. Wie ich es hasse! Ich mag generell kein Wasser. Zum Trinken ist Wasser ja okay, aber auch auf der Haut? Bin ich denn ein Fisch? Hätte die Natur geplant, dass ich schwimme, dann hätte ich Schuppen!“

Mit diesen und anderen Gedanken schlug er sich herum, während er es sich gemütlich machte. „Ich finde auf keinen Fall, dass ich aussehe wie ein Wal“, dachte er, wenn er sich im Spiegel sah. „Im Gegenteil – jeder Wolf müsste bei meinem Anblick vor Neid erstarren“, fand er zufrieden. An Selbstwertgefühl fehlte es ihm überhaupt nicht.

An diesem heißen Sommertag beschloss Charly, dass Wilson doch auch im Entenweiher seine Runden drehen könnte. Es wäre doch eine super Abkühlung, und dieser Sport wurde ja für ihn empfohlen.

Also schrieb Charly an Erik eine Nachricht mit dem Handy, dass sie dort anzutreffen wären. Und sie plante nicht einfach so ein Bad! Nein, Wilson hatte eine aufblasbare Haifischflosse auf dem Rücken.

Hatte doch Charly im Fernsehen die Werbung gesehen, die versprach, dass diese das Schwimmtraining erleichtern würde, da die Hände – in seinem Fall natürlich die Pfoten – frei wären. Und falls er erschöpft sein sollte, könnte ihm durch die Flosse nichts passieren.

Selbstverständlich hatte Charlotte auch darauf geachtet, dass die Flosse unschädlich für die Haut und umweltverträglich ist. Ja, so ist Charlotte: immer im Dienste der Umwelt. Nur sah Wilson dies natürlich ganz anders. „Bei sommerlichen Temperaturen bleibt man zu Hause, liegt im Schatten und genießt gelegentlich das kalte Wasser in der Küche. Und nun dies“, murrte er vor sich hin.

Unglücklicher hätte kein Hund sein können, als er mit der Flosse auf dem Rücken in den Weiher gesetzt wurde. „Na gut, dann drehe ich eben ein paar Runden, damit sie zufrieden ist. Aber nicht mehr als unbedingt nötig, sonst lässt sie mir keine Ruhe“, dachte er sich und paddelte los.

Gedankenverloren bewegte er sich im Wasser fort und war ganz in sein eigenes Leiden vertieft. Meter um Meter durchquerte er den Weiher, ohne die riesige Flosse, die auf ihn zukam, zu bemerken.

Er stellte fest, dass das Wasser unruhiger wurde und wunderte sich darüber, da es doch die ganze Zeit windstill gewesen war. Plötzlich rollte eine größere Welle heran und riss ihn mit sich. Erschrocken dachte er: „Hilfe, was passiert hier gerade?“, und schon wurde er durch den Weiher geschoben.

Er sah nur eine unglaublich große Flosse und schrie innerlich: „Ein Hai! Das ist mein Ende, und keiner kriegt es mit! Gleich bin ich im Bauch eines riesigen Raubfisches, und Charly sieht es nicht!“

Er paddelte dagegen an, konnte aber vor lauter Aufregung und Anstrengung weder knurren noch bellen. Da kam endlich ein Schrei: „Ein Hai! Hilfe, ein Hai will meinen Hund fressen! Hiiiilllfe ... Hiiillfe“, rief Charly vollkommen aufgeregt, während sie am Ufer entlang rannte. Auch Erik schaute total entgeistert auf das Spektakel, das sich ihm gerade bot.

Eine Flosse schob den Chihuahua durch den Ententeich und drehte gemächlich Runde um Runde. „Das kann doch kein Hai sein! Wie soll denn ein Hai in den Teich gekommen sein?“, sagte Erik, immer noch irritiert, zu Charly. Diese war gerade dabei, ihre Schuhe und Strümpfe auszuziehen, um ihren Hund zu retten.

Erik hielt sie am Arm fest. „Schau doch mal genau hin. Die Flosse dreht mit Wilson Runden, als ob sie mit ihm spielen will. Er hat ja schließlich auch eine Flosse an, und vielleicht denkt der Fisch, Wilson wäre auch ein Fisch. Das kann doch kein Hai sein. Das ist irgendein anderer Fisch“, beruhigte Erik sie. „Wenn er wieder bei uns vorbeikommt, ziehen wir Wilson an seiner Flosse heraus.“

Charly schaute ihn ängstlich an. „Meinst du wirklich? Ich habe noch nie eine Flosse in diesem Teich gesehen. Und wenn jemand aus seinem Aquarium einen Hai hier ausgesetzt hat? Ich habe schon von Krokodilen in Badegewässern gehört. Warum nicht ein Hai im Ententeich?“, sagte Charly zweifelnd. „Überleg doch mal! Dann wäre Wilson doch schon gefressen worden, oder?“ entgegnete Erik.

Sie standen direkt an der Wasserkante, und als Wilson an ihnen vorbeikam, griff Charly beherzt nach seiner Plastikflosse und zog ihn heraus. Er zitterte am ganzen Körper vor Aufregung und drückte sich fest in ihre Arme.

„Du Armer! So eine Aufregung! Aber bald ist alles wieder gut“, sprach sie tröstend auf ihn ein. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie die Flosse weiterhin ihre Runden zog. Sprachlos beobachteten die Kinder den Fisch. Dann hörten sie neben sich eine Stimme: „Ach, Eddy ist mal wieder unterwegs“, sagte eine Männerstimme.

Sie drehten sich um und sahen Herrn Schulz vom Angelsportverein, der sie angrinste. „Er sieht gut aus, nicht wahr? So ein kapitaler Karpfen. Aber Eddy hat Bestandsschutz“, erklärte er stolz. „Bestandsschutz?“, fragte Charly verwundert.

„Ja, eher so ein Bleiberecht. Er ist einer unserer ältesten Fische im Teich. Vor Jahren hatten wir Probleme mit Wasserlinsen, das Gewässer war vollkommen zugewuchert. Wir setzten mehrere Graskarpfen ein, die das ganze Gras vertilgten. Eddy ist als einziger Karpfen nach all der Zeit noch im Weiher.

Leider ist er nicht mehr ganz fit und hat Probleme mit seiner Schwimmblase. Das Luft ablassen klappt nicht mehr so gut, vielleicht liegt es auch an irgendwelchen Gasen im Körper. Das wissen wir nicht genau. Aber er ist munter und darf seine Runden drehen.

Eddy ist auch sehr verspielt und mag Besuch. Er schwimmt immer gern nah heran und manchmal schaut er uns mit seinen großen Augen intensiv und lange an. Ja, ich denke, er kennt die Besucher des Teiches.“

„Wir hatten letztens einen lustigen Vorfall. Es kam ein Anruf rein, jemand behauptete, wir hätten einen Hai im Entenweiher. Darüber lachen wir heute noch. Sicher, Graskarpfen können bis zu 1,50 Meter lang werden. Wenn sie älter sind, sind das schon ziemlich große Fische. Aber Eddy mit einem Hai zu verwechseln? Wie kann man nur auf so eine Idee kommen?“, sagte Herr Schulz kopfschüttelnd.

Charly und Erik schauten sich verlegen an. „Ein Hai? Nein, keiner von uns hat an einen Hai gedacht! Ich wusste sofort, dass es ein Karpfen ist“, antwortete Erik schnell. Charly konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Aber warum haben wir ihn bisher noch nie hier gesehen?“, fragte sie neugierig.

„Nun, das Problem mit seiner Schwimmblase wird immer schlimmer. Früher war es nur hin und wieder, aber in letzter Zeit treibt er öfter an der Oberfläche. Für den Winter müssen wir uns etwas überlegen. Wir wollen ja nicht, dass er im Eis einfriert.

Normalerweise sinken Fische ja auf den Grund des Teiches. Aber wir finden bestimmt eine Lösung, damit Eddy hier noch ein paar schöne Jahre verbringen kann“, erklärte Herr Schulz. Die Kinder verabschiedeten sich und gingen zu viert wieder zurück ins Dorf. Sie unterhielten sich noch lange über Graskarpfen, Haie in Teichen und lachten viel dabei. 'Ein Hai im Ententeich!‘, dachten sie immer wieder und mussten schmunzeln.

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