Freundschaftsgeschichte – Rolf der kleine Waldtroll

Vorlesegeschichte Freundschaft

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Freundschaftsgeschichte für Kinder

Freundschaftsgeschichte

Liebe Leser,

die Freundschaftsgeschichte von Rolf dem kleinen Waldtroll, handelt von einem Troll, der eigentlich keiner sein möchte. Er hadert mit seinem Schicksal und findet letztendlich einen Freund, von dem er gar nicht dachte, dass er auch so denkt wie er selbst.

In dieser Geschichte ist alles irgendwie verdreht. Es ist bei den Trollen wünschenswert gemein und hinterhältig zu sein und jeder der eher nett und verspielt ist, wird auch extra noch mal auf das Trollsein geschult. Die Lehrer der Waldschule bilden auch verstärkt dieses Handeln aus. Was für die Trolle normal ist, ist es für den anderen eben nicht.

Hier könnte man, wenn man das mag, mit dem Kind darüber diskutieren, wie unterschiedlich Perspektiven und Lebensweisen sein können und was wohl das Kind tun würde, wenn es in einer solchen Situation wäre. Gerade im Schulalltag oder auch schon im Kindergarten stellt sich häufig die Frage, passe ich mich dem Verhalten der anderen an oder verhalte ich mich so, wie ich denke, dass es gut ist?

Ihr findet bei hierfindichwas.de übrigens weitere Freundschaftsgeschichten. Speziell die Raupe Rumedum und die Spinne Ruby sind immer wieder ein Thema auf dem Blog.

Freundschaftsgeschichte - Rolf der kleine Waldtroll

Trolle sind überall bekannt als gemein und hinterhältig. Sie sorgen für viel Zerstörung und das Fürchterliche daran ist auch noch, dass es ihnen gefällt. Wenn ein Troll ganz viel Ärger gemacht hat, dann darf er sich auch einen Ehrennahmen verleihen oder er bekommt ihn sogar verliehen.

Rolfs Klassenkameraden heißen zum Beispiel auch schon Bodo-Ja der Zerstörer, Emil-Do der Mobber und Frank-Zan der Motzer. Rolf geht in die Waldtrollklasse, um sich dort auf das harte Leben eines Trolls vorzubereiten. In ihrem Stundenplan steht jeweils von 8 bis 12 Uhr: montags Bäume werfen, dienstags Menschen mobben, mittwochs sollen sie sich gegenseitig verprügeln, donnerstags Weitspucken und freitags ist die schlimmste aller Disziplinen dran, mit dem Troll-Lehrer sich für die Olympiade der Trolle vorbereiten.

Rolfs Leben ist gar nicht einfach. Er mag gar kein Troll sein. Warum nur musste er als Troll auf die Welt kommen, fragt er sich häufig. Seine Eltern verstehen auch nicht, dass ihm das Trollen so gar keinen Spaß macht. Jedes Mal wenn es keiner bemerkt, schleicht er sich in den Wald davon. Im Wald befindet sich eine Lichtung mit einer saftig-grünen Blumenwiese und dort beobachtet er Schmetterlinge. Er findet, dass sie so wunderbar zart und zerbrechlich sind, sie sind so wunderschön. Manchmal hat er das Glück, dass sich ein Schmetterling auf seine Hand setzt. Dann traut er sich gar nicht mehr zu atmen.

Heute ist wieder so ein Freitag. Seine Lehrer sind besonders gemein zu ihm, damit er das Trollen besser lernt, wenn die wüssten! Rolf schnallt sich seine Schultasche um und packt seine Brotbox ein. Seine Mutter hat ihm für den heutigen Schultag einen leckeren Regenwurm-Auflauf gemacht, dies ist wohl sein einziges Highlight des Tages, denkt er.

Auf dem Schulweg begegnen ihm bereits seine Schulkameraden, die schon recht viele Abzeichen tragen für besonders schlechtes Benehmen. Rolf fragt sich, was würde wohl so ein Troll-Lehrer machen, wenn ich statt mürrisch meine Aufgaben zu machen, einfach mal ganz, ganz nett bin und das Gegenteil dessen was sie von mir erwarten? Davor hat er allerdings große Angst, da eigentlich alle mitmachen, wären sie bestimmt noch gemeiner. Dies wäre bestimmt eine große Freude für sie. Obwohl, können die sich überhaupt über etwas freuen? Da ist sich Rolf auch nicht sicher.

Rolf grübelt noch eine Zeitlang darüber nach, warum er nur als Troll geboren wurde und wie gemein diese Welt doch ist. Er wäre viel lieber in einer normalen Schule.

In der Waldschule angekommen, sollen sie zuerst wieder Baumstämme werfen. Vom ganzem Baumstämme werfen hat Rolf schon einen gewaltig mächtigen Oberkörper und wenn man es nicht besser wüsste, dann hätte man Angst vor ihm. Schaut man aber Rolf in die Augen und unterhält man sich mit ihm, merkt man gleich, dass er ein ganz sanftes Wesen hat.

Nach dem Baumstamm werfen soll er sich mit Bodo-Ja raufen. Bodo steht mit seinen stämmigen Beinen und einem massigen Oberkörper auffordernd vor ihm. Sein Gesicht ist schon ganz vernarbt und wulstig vor lauter Ringkämpfen. Rolf wendet sich ihm zu und schaut sich sein Gesicht etwas näher an. Bodo-Ja grinst übers ganze Gesicht und neckt ihn: „Na, haste die Hosen voll? Weichei!“ Rolf kann nur den Kopf schütteln und irgendwie hat er auf einmal gar keine Lust mehr, immer das zu machen, was die anderen wollen. „Sag mal, Bodo-Ja, was hältst du davon, wenn wir lieber ein Wettrennen machen? Der, der am schnellsten am Fluss ist, der hat gewonnen und bekommt das Pausenbrot des anderen.“ Bodo-Ja schaut zunächst verdutzt, grübelt kurz und dann fängt er ganz langsam an über beide Backen zu grinsen. Bodo-Ja ist nämlich immer hungrig. Er fragt aber aus Vorsicht: „Was hast du den zum Futtern dabei?“, er selbst hatte nämlich nur so ein labbriges Pausenbrot mit viel Salat drauf, da seine Mutter gerade auf so einem Gesundheitstrip ist.

Als Rolf ihm seine Pausenmahlzeit zeigt, freut sich Bodo-Ja schon. Sie zeichnen eine Linie auf den Boden und schon geht es los. Bodo-Ja sprintet wie ein kleiner Teufel durch den Wald. Rolf folgt ihm fast auf der gleichen Höhe, sie überspringen kleine Bäume, Sträucher und sogar einmal ein Wildschwein, dass sich völlig erschrocken duckt. Nach einer Weile haben sie keuchend den Fluss erreicht und Bodo-Ja war der erste. Er hüpft vor Begeisterung in die Luft und schubst Rolf vor Freude ins Wasser. Was zur Folge hat, dass die zwei jungen Trolle sich eine mächtige Wasserschlacht liefern.

Erschöpft sinken die zwei am Rande des Ufers auf einen alten Baumstamm und teilen sich ihr Mittagessen. Bodo-Ja mampft sein Essen und sagt mit vollem Mund zu Rolf: „Du bist irgendwie anders, wie kommt das? Ich habe schon öfter bemerkt, dass du nicht so viel Lust auf das Trollen hast.“ Rolf schlägt die Augen nieder und sagt traurig: „Oh, bemerkt man das wirklich? Dabei habe ich immer versucht, mich anzupassen. Ich kann es einfach nicht leiden, anderen Schaden zuzufügen. Ich bin viel lieber alleine, lese oder liege in der Wiese und schau mir die Welt an. Wenn ich groß bin, will ich viele Reisen machen und mit anderen Trollen und Menschen in Kontakt treten. Das Troll-Leben würde mich da eher daran hindern und es macht mir wirklich überhaupt keinen Spaß.“ Bodo-Ja nickt und seufzt: „Es gibt auch noch andere in unserer Schule, die so denken wie du. Sie machen alle zwar mit, aber Freude macht es ihnen auch nicht. Manchmal denke ich, sollten wir vielleicht so eine Art Club gründen.“

Beide Jungs schauen sich nachdenklich an und jeder hängt eine Weile seinen Gedanken nach.

Kurz vor Schulschluss hören sie laute Rufe. Die Lehrer suchen bereits nach ihnen und die beiden sputen sich, um wieder zur Klasse aufzuschließen. Morgen, ja morgen, könnte sich so einiges für Rolf ändern, nun ist er nicht mehr alleine.

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