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Ein weiterer Text zum Vorlesen - Lia und der Pusteblumentag

Lia und ihre Freunde sind wieder im Traumland unterwegs. Sie erleben heute den Tag der Pusteblume. Abertausende von Pusteblumen fliegen über das Zauberland hinweg und die Kinder können sogar mit ihnen fliegen. Im Grunde wäre es ein schöner und ruhiger Flug gewesen, wäre da nicht Fred die Elster.

Fred ist verliebt und wer hätte das gedacht, er ist schüchtern. Normalerweise kann man ihn beim Reden kaum stoppen, aber bei seiner Angebeteten bekommt er den Schnabel nicht mehr auf. Die Kinder helfen ihm und lernen dann ganz nebenbei noch eine große Schlangenfamilie kennen, die sich über ihren Besuch sehr freut. Es ist sogar einen kleinen Moment etwas gruselig, aber nur ganz kurz. Ansonsten ist der Text zum Vorlesen einfach nur süß und lädt zum Träumen ein.

Tipp:
Ein weiterer Text zum Vorlesen in der Lia-Geschichten-Reihe findet ihr hier:
Die Reihe beginnt mit: Feengeschichte – Lia und die Traumfee
Der vorherige Text: Geschichte zum Einschlafen – Lia und der Mann im Mond

Vorlesedauer: 15 Minuten
Altersgruppe: 4 - 8 Jahre (Kindergarten, Grundschule)

Text zum Vorlesen

Photo by Stefan Kostić

Meine Buchempfehlung:

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Text zum Vorlesen - Die sprachlose Elster Fred

„Unglaublich, träume ich im Traum? So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen!“, sagte Lia zu Sonnenstern. Sie schaute staunend in den Himmel und konnte diesen Anblick nicht in Worte fassen. Millionen von Pusteblumen von kleinen bis ganz großen flogen gemächlich am Himmel der Traumwelt.

Sonnenstern lächelte: „Jedes Jahr gibt es den Tag der Pusteblumen. Sie machen sich gemeinsam auf und umrunden die Traumwelt. Lia, es sind magische Pusteblumen. Wir können auf ihnen mitfliegen“ sagte sie schmunzelnd.

Auch Sophie und Tobi standen sprachlos dabei. „Kommt Kinder, lasst uns einen Ausflug in die Lüfte machen. Es wird euch sicher gefallen!“, forderte die Traumfee Merle sie auf. Die Feen fassten die Kinder an die Hände und flogen in die Luft.

Jede suchte eine große Pusteblume aus und landete auf ihr. „Wie filigran hunderte kleiner Löwenzahnschirmchen aussehen können“, dachte Sophie und sie stellten fest, dass die Luft nicht nur um die Blume herum, sondern durch sie hindurch ging, wodurch sich kleine Luftwirbel bildeten. „Wie kleine Hubschrauber, die Natur ist der größte Erfinder und alles hat seinen Sinn!“, dachte Tobi.

Lautlos glitten sie an diesem warmen wolkenlosen Tag über die Traumwelt hinweg. Sie waren immer noch beeindruckt von dieser Naturschönheit. Sorglos, vom Wind getragen, schauten sie von oben auf die Erde. Sie konnten Zauberwesen sehen, die schönsten Blumenwiesen, flogen über Bäche und Wälder. Und dann kam Fred, die Elster.

Er ließ sich ebenfalls auf einer Pusteblume nieder: „Hallo, lange nicht mehr gesehen. Was macht ihr denn so? Ach, mir ist gerade etwas langweilig. Mit den Pusteblumen am Himmel kann ich nicht so gut fliegen. Ständig muss ich diesen Dingern ausweichen. Dann kleben die mir am Gefieder. So was Lästiges. Wer das erfunden hat, hat bestimmt nicht an uns arme Elstern gedacht. Immer haben wir den Stress mit diesen Dingern. Findet ihr nicht auch?“ fragte Fred.

Das war mal wieder total typisch für Fred. Immer etwas Gejammer, aber er genoss den Flug und schaute neugierig überall herum. Man könnte ja etwas Interessantes übersehen. Bevor die Kinder überhaupt antworten konnten, fing er an zu pfeifen und hüpfte von Pusteblume zu Pusteblume.

Anscheinend ging ihm doch etwas im Kopf herum. „Fred, bleib doch mal ruhig sitzen und entspanne dich mal. Wir finden das Spektakel ganz toll. Warum bist du denn so unruhig? Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte Lia. „Wieso? Sieht man mir was an? Sehe ich anders aus? Nicht wahr, man sieht es! Ich dachte es mir gleich. Es ist nichts mehr so wie es war. Es hat sich alles geändert. Ach, was mache ich nur?“, seufzte Fred. Alle drei Kinder riefen gleichzeitig und lang gezogen: „Fred! Was ist los?

„Ich glaube, ich habe mich vielleicht ein wenig verliebt! Aber das kann ja nicht sein. Ich war noch nie verliebt. So etwas erlaube ich mir gar nicht. Sie ist so chic, elegant, sie hat Stil, einen unglaublichen Liebreiz, sie raubt mir den Atem“, sagte er und bevor er wieder Luft holen konnte für eine weitere Aufzählung riefen die Kinder schnell: „Fred! Ganz ruhig. Komme mal herunter und erzähle uns genau was passiert ist!“, forderte Sophie. Fred und verliebt. Das überwiegt ja noch den Flug mit den Pusteblumen. Mit so etwas hätten sie nie gerechnet.

„Ich traf sie bei den Meerjungfrauen und es war Sonnenuntergang. Sie sang mit den Wassernixen so ein liebreizendes Lied. Es war sofort um mich geschehen. Ich schaute noch herum, ob irgendwo eine Hexe stand, die mir vielleicht einen Liebeszauber auferlegt hat, aber weit und breit keine Hexe. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie sah mich an und mein Herz hüpfte. Ich überlegt noch, ob ich es jetzt irgendwie anbinden muss, damit es sich nicht davon macht. Dieser Blick, diese Schönheit. Es ist um mich geschehen. Was soll ich nur tun? Ich bin verloren!“, jammerte er. Kleinlaut gab er zu: „Da bin ich einfach weggeflogen.“

Wieder riefen alle im Chor: „Fred! Das geht doch nicht. Du musst sie doch ansprechen. Kennst du ihren Namen?“ „Ja, Gracia. Ich habe später die Meerjungfrauen danach gefragt. Wie eine elsterische Madonna sieht sie aus. Und ihre Stimme zerfließt beim Singen. Sie dringt in dein Ohr hinein und du nimmst sie in dir auf. Ach, ich bin so verliebt. Kann man daran sterben? An gebrochenem Herzen?“, seufzte Fred herzzerreißend.

Die kleine Gruppe war sprachlos. Fred ist verliebt und schüttete ihnen sein Herz aus. Da war allen sofort klar, dass eine sofortige Hilfe vonnöten ist. „Fred, weißt du, wo Gracia wohnt? „fragte Sophie. „Ja, natürlich. Am Entensee, der ist nicht weit weg von hier. Wir sind eigentlich schon gleich da“, wimmerte er. „Ach, wie praktisch eingefädelt“, dachte Sonnenstern lächelnd.

Die Kinder und die Feen berieten sich kurz und planten einen Stop am See. Man konnte von oben erkennen, dass es ein sehr tiefer See ist, er war dunkel und er hatte mehrere kleine Inseln. Er lag etwas abseits von allem. Verwunderlich war, dass gar keine anderen Vögel oder Zauberwesen da waren.

Mit Hilfe der Feen landeten sie am Rande des Sees. Von Gracia weit und breit nichts zu sehen. „Fred, wir üben jetzt mit dir, wie du sie ansprechen musst. Mit Anstarren und Weglaufen gewinnt man kein Herz. Du hast doch viel Charme und kannst auch toll singen. Das musst ihr imponieren und sie zum Lachen bringen“, sagte Lia. „Leicht gesagt. Wenn ich sie sehe, ist mein Kopf leer und meine Zunge gelähmt. Vielleicht übt sie einen Zauber auf mich aus!“, stotterte Fred vor sich hin. Alle mussten herzhaft lachen. Eine verliebte Elster ist nicht anders als ein verliebter Mensch oder sonstiges anderes Wesen mit Liebeskummer.

Sie übten mit Fred. Am Schluss stand er mit einem eingeübten Satz da: “Hallo Garcia, du schönste Elster aller Elstern. Du hast mir das Herz gebrochen, meine Stimme geraubt und ich kann nur noch an dich denken. Ich heiße Fred und als ich dich sah, war es um mich geschehen. Bitte gehe mit mir aus?“.

Fred, nahm nicht alle Vorschläge der Mädchen an, schließlich muss ein Mann tun, was ein Mann eben so tun muss. Auch, wenn es dann vor Verzweiflung eben nichts mehr ist. Sie hatten ihm die schönsten Liebesschwüre ans Herz gelegt aber Fred sah Tobi an und der verdrehte die Augen. Wie der Zufall es so wollte, kam plötzlich Garcia angeflogen.

„Hallo, wer seid ihr denn? Wollt ihr mich besuchen?“, fragte Garcia. Alle stellten sich vor und dann sah sie Fred lange und tief in die Augen. Alle schauten gespannt zu Fred und warteten und warteten. Nun, ein Mann muss tun, was eben leider nicht geht! Fred, die Quasselstrippe war verstummt. Er starrte Garcia nur entrückt und verträumt an.

Garcia lächelte und ging auf ihn zu. Sie reichte ihm einen Flügel und sprach zu ihm: „Hallo Fred, deinen Namen habe ich zwischenzeitlich schon erfahren. Ich bin Garcia. Ich freue mich dich hier zu sehen. Würdest du gerne mal mit mir ausgehen? Ich habe gehört, du wärest der beste Rock and Roll Sänger des Traumlandes. Vielleicht könnte ich mit dir mal zusammen ein Duett singen. Wie wäre das?“ flötete Garcia mit einer weichen melodischen Stimme.

Man konnte sehen, wie Fred etwas zusammenzuckte und seine Knie leicht zitterten. Er räusperte sich: „Selbstverständlich, liebste Garcia. Es wird mir eine Ehre sein! Hättest du vielleicht gerade etwas Zeit mich zu begleiten? Ich hatte eigentlich noch einen dringenden Termin bei den Mäusen, die mit mir einen neuen Tanz einüben wollten. Ich bin nur aus Gefälligkeit mit meinen Freunden hierhergekommen, um ihnen mal den schönen See zu zeigen“.

Alle verdrehten die Augen und Garcia lächelte verstehend. Ein Blick von ihr auf die Traumfeen sprach Bände. Wie ein Gockel lief Fred nun zur Höchstform auf. Er zählte seine sämtlichen Vorzüge auf und man konnte denken, er hätte ein Bewerbungsgespräch. Garcia sah ihn geduldig und strahlend an. Dann sagte sie kurz und knapp: „Fred, komm lass uns zu den Mäusen fliegen“. Wie auf Kommando stoppte Freds Redefluss und seine Augen kullerten vor Liebe fast aus seinem Kopf. Seite an Seite flogen sie los.

„Fred ist schon ein besonderer Fall“, sagte Mondstrahl. Alle lächelten und freuten sich mit ihm. Fred und verliebt. Herrje, da werden sie zukünftig nicht nur Fachgespräche über den Rock hören, sondern wahrscheinlich ganz viel über Liebe unter Elstern erfahren.

Während sie so dastanden, begann der See Wellen zu schlagen. Es war totale Windstille und erst so nach und nach fiel der Gruppe auf, dass etwas hinter ihrem Rücken nicht in Ordnung war. Die Wellen schlugen am Ufer immer höher an und die Kinder drehten sich erschrocken um. „Was ist denn hier los“, dachten alle.

Aber nicht nur eine Stelle, der ganze See schien auf einmal irgendwie zu kochen. Wasserwirbel, Wellen und große Wasserblasen ließen die Kinder vor Angst frösteln. „Was gibt es denn da schon wieder im Traumland, was wir nicht kennen?“, fragte sich Lia. Sie rückten alle zusammen und starrten auf den See hinaus. Wie auf der Stelle festgewurzelt standen sie da. Unfähig, sich fortzubewegen. Der Drang, zu sehen was da auf sie zukommt, war größer!

Da! Ein erster Kopf und da, ein zweiter Kopf, es wurden immer mehr und sie kamen immer näher. Riesige Seeschlangen tanzten auf dem Wasser auf sie zu. Schlängelten furchterregend schnell dem Ufer entgegen. Die Kinder wollten davon laufen doch die Feen setzten sich beruhigend auf ihre Schultern. „Habt keine Angst. Das sind Seeschlangen aber sie sind nicht gefährlich. Das ist die Familie Serpentes und die sind bekannt für ihre Neugierde. Jede will euch als erste begrüßen. Es ist so eine Art Wettkampf. Bleibt ruhig stehen und wartet ab“, sprach Merle.

„Ich bin Erste!“ „Nein, ich war die Erste“ und so ging es weiter bis immer mehr riesige Schlangen sich vor den Kindern aufbauten. „Hallo, ihr Süßen! Ich bin Olivia. Ach, endlich mal wieder Besuch. Das ist ja aufregend. Stellt euch vor. Bitte schnell, ich kann es kaum abwarten“, rief sie zischend. Die anderen rückten auf, um besser zu sehen und näher zu sein.

Wieder stellten sich alle vor und dann erzählten sie alle durcheinander, wo sie wohnen, vom Stress mit so vielen Geschwistern und es war ein Geschnatter und Gezische, als ob man in eine Herde mit Enten geraten wäre.

Doch den Kindern gefiel es. Es war richtig lustig mit den Schlangen. Sie bewunderten die Kleidung der Kinder und erklärten, dass sie auch öfters die Kleidung wechselten und mit etwas Magie diese auch veränderten. Wenn man genau hinschaute, sah man auch die vielen unterschiedlichen Muster und Farben der Tiere.

Olivia schien die Älteste zu sein. Sie führte am meisten das Wort. „Ach ja, wir leben hier schon seit Beginn der Zeit. Aber leider ist der See etwas abseits und daher haben wir nicht viel Abwechslung. Und zu anderen Seen zu schlendern ist uns zu anstrengend. Wir wärmen uns gerne in der Sonne und kühlen uns dann im See ab. Was macht ihr denn so den ganzen Tag?“, fragte sie.

Jedes Kind schilderte seinen Alltag, erzählte von seiner Familie und den Erlebnissen in der Traumwelt. Die Schlangen sogen jedes Wort auf. Da hatten sie wieder Gesprächsstoff für Jahre. So verging die Zeit im Flug. Die Kinder versprachen im nächsten Jahr beim Pusteblumentag wieder vorbeizukommen und verabschiedeten sich.

Die Feen riefen ganz laut: „Alberta! Alberta! Eil herbei“. Nach kurzer Zeit hörten sie das Flügelschlagen eines großen Adlers. Alberta war im Laufe der Zeit zu einer sehr guten Freundin der Gruppe geworden. Die Kinder machten es sich auf ihrem Rücken bequem und kuschelten sich so richtig ein. Nach wenigen Flügelschlagen war die Adlerdame schon wieder in der Luft und flog sie alle zurück zur Wiese.

Wie jeden Abend fragte sich Lia: „Kann der Tag morgen noch schöner werden?“

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Ich_schreibe_fuer_dich_2
Ich_schreibe_fuer_dich_3
Ich_schreibe_fuer_dich_4

Dies war ein weiterer Text zum Vorlesen in der Lia-Reihe. Geplant sind ca. 20 Geschichten und ich hoffe, dass sie euch gefallen. Wenn ja, dann würde ich mich über einen Kommentar oder einen Link sehr freuen.

Weitere Texte zum Vorlesen findet ihr hier:

Einfach Vorlesen und entspannen

Egal wie alt euer Kind ist, ob Baby oder Kleinkind. Im Grunde geht es auch um eure Bindung. Wenn ihr schon früh damit beginnt jeden Abend ein festes Ritual in euren Ablauf einzubinden, verhilft dies eurem Tag zu einer besseren Struktur, die dazu führen kann, dass euer Kind weiß: "Jetzt ist Schlafenszeit - jetzt ist Mama - Papa für mich da".  Die Kinder können sich einkuscheln und ihr könnt den Text einfach Vorlesen und dabei selbst entspannen. Dies vermittelt Eltern wie auch den Kindern Geborgenheit und Sicherheit.

 

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